Licht und Wohlbefinden

TageslichtWir verbringen viel Zeit in geschlossenen Räumen und bei künstlichem Licht. Während das Tageslicht die Entwicklung des Menschen seit jeher bestimmt hat, ist die Geschichte des künstlichen Lichts noch vergleichsweise jung. Verschiedene Disziplinen haben die Wirkung des künstlichen Lichts auf das Wohlergehen untersucht. Welche Aspekte für ein angenehmes Lichtdesign zu berücksichtigen sind, zeigt dieser Beitrag im Überblick und greift dabei auf die Erkenntnisse der Wahrnehmungspsychologie zurück.

Die Sehaufgabe

Künstliches Licht wurde geschaffen, um ganz sprichwörtlich die Nacht zum Tag zu machen. Als visuelle Wesen ohne besondere Nachtsichtfähigkeit sind wir ohne elektrisches Licht ab Sonnenuntergang zur Untätigkeit verdammt.

Daher geht es bei der Beleuchtung zuallererst darum, die Funktion der Augen zu ermöglichen. Dazu gehören die Helligkeits-, Farb-, Raum- und Bewegungswahrnehmung. Das Raumlicht sollte so ausgeführt sein, dass genügend Licht zur Verfügung steht, die Farben natürlich erscheinen und der Raum und die sich darin bewegenden Menschen erkannt werden können.

Im engeren Bereich der Sehaufgabe, z.B. das Buch beim Lesen, hängt die erforderliche Helligkeit von der Feinheit der Strukturen ab, die erkannt werden sollen. Beim Buch oder der Zeitung wären das die Buchstaben, beim Nähen der Nähfaden usw. Je feiner die Strukturen, desto mehr Licht ist erforderlich, beim Lesen z.B. eine Beleuchtungsstärke von mind. 500 Lux, bei feinen Handarbeiten mind. 1000 Lux. Es darf aber je nach persönlichem Empfinden auch mehr Licht sein, die Werte sind Richtwerte und mit 100.000 Lux bei Sonnenlicht und etwa 20.000 Lux bei Bewölkung sind unsere Augen höhere Helligkeiten gewöhnt.

Wie viel Licht bzw. welche Beleuchtungsstärke für die jeweilige Sehaufgabe erforderlich ist, wird in den Lichtdesigns abhängig von der Art des Wohnraums definiert und angegeben. Neben fest installierten Leuchten bieten mobile Tisch- oder Stehleuchten gerade bei offenen Grundrissen die Möglichkeit, das Licht unkompliziert an die Aufgabe anzupassen. Wenn der Lesesessel durch das Wohnzimmer wandert, zieht die Leseleuchte eben mit.



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Die Umgebung

Zur angenehmen Beleuchtung gehört die Erkennbarkeit des umgebenden Raums. Bei Tageslicht ist die Umgebung auf weite Distanzen uneingeschränkt wahrnehmbar. Es reicht nicht aus, um beim Beispiel des Lesens zu bleiben, das Buch gut und ausreichend zu beleuchten, wenn der restliche Raum im Dunkeln bleibt. Dies würde ein sehr unbehagliches Gefühl hervorrufen, das eher dem Naturerlebnis der Dämmerung gleicht. In diesem Bereich können keine Farben erkannt werden und auch die Wahrnehmbarkeit von Bewegungen ist stark eingeschränkt.

Bei der Lichtplanung spricht man von Allgemeinbeleuchtung, wenn eine Grundbeleuchtung für das gesamte Zimmer erreicht werden soll, die eine angenehme Raumwahrnehmung ermöglicht. Dabei geht es zwar auch um die Sicherheit, damit man nirgendwo stolpert, aber der Behaglichkeitsaspekt sollte auch nicht aus Sparsamkeitsgründen vernachlässigt werden.

Ein zweiter, sehr wichtiger Aspekt für eine gute Raumbeleuchtung ist das Gesichtsfeld, also alles, was im Sichtfeld der Augen liegt. Mit einem Winkel von etwa 190° ist dieser Bereich sehr groß. Sind die Helligkeitsunterschiede darin sehr groß, so müssen sich die Augen ständig anpassen, um mehr oder weniger Licht einfallen zu lassen. Dieser Vorgang läuft unbemerkt ab, macht sich aber nach einiger Zeit bei ungünstigen Bedingungen durch Effekte wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Augenflimmern bemerkbar, die auf die Ermüdung der Augen durch die ständige Anstrengung zurückzuführen sind. Beispiele für ungünstige Bedingungen wären z.B. Lesen mit Leseleuchte im sonst dunklen Raum, Fernsehen im dunklen Wohnzimmer oder Arbeiten am Computer in einem unbeleuchteten Raum. Dabei muss das Zimmer nicht in gleichförmiges Licht derselben Helligkeit getaucht werden, abgestufte Beleuchtungsstärken mit z.B. einer Allgemeinbeleuchtung von 100 bis 150 Lux und einer erhöhten Beleuchtungsstärke von 500 Lux beim Arbeiten in der Küche berücksichtigen sowohl die Anforderungen bei der eigentlichen Tätigkeit als auch Aspekte des Wohlbefindens.

Lichtfarbe und Biorhythmus

Der Wechsel zwischen Tag und Nacht im 24-Stunden-Rhythmus bestimmt unser Leben. Tageslicht vom Aufgehen der Sonne bis zum Sonnenuntergang ist der Taktgeber. Dabei wirkt ein komplexes System aus Sensoren im menschlichen Auge und biochemischen Vorgängen wie die Hormonausschüttung zusammen. Tageslicht enthält hohe Blauanteile mit Lichtfarben von 4000 Kelvin bis 5500 Kelvin bei bedecktem Himmel und 7500 Kelvin bis 9500 Kelvin bei unbedecktem Himmel. Zum Abend hin verschiebt sich die Lichtfarbe stärker in den rötlichen Bereich, gleichzeitig geht die Intensität zurück. Also Folge dieser in der Natur vorkommenden Effekte reagiert der menschliche Organismus mit erhöhter Aktivität bei bläulichem Licht und hoher Lichtintensität und Müdigkeit bei warmem Licht und geringer Helligkeit.

Künstliches Licht kann natürliches Licht nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen. Es sollte zumindest nicht gegen den Biorhythmus wirken, ihn vielmehr positiv unterstützen. Für die meisten Wohnräume sind die in Mitteleuropa vorherrschenden Lichtfarmen im warmen Bereich von 2700 bis 3000 Kelvin angemessen, weil das Licht überwiegend am Abend zum Einsatz kommt. Zu diesem Zeitpunkt entspricht diese Lichtfarbe dem natürlichen Rhythmus mit wärmeren Tönen zum Abend hin. Eine beruhigende Wirkung ist die Folge.

Wer dagegen ein eigenes Büro oder sonstigen Arbeitsbereich beleuchten will, ist je nach Nutzungsintensität mit einer Tageslichtbeleuchtung gut beraten. Dabei bilden die Lampen eine tageslichtähnliche Lichtfarbe nach. Derart beleuchtete Räume zeichnen sich durch erhöhte Aktivität mit höherer Konzentration bei geringerer Anstrengung aus. Allerdings sollte zum Abend hin wieder auf wärmeres Licht übergegangen werden, um dann auch schlafen zu können. Das passiert automatisch, wenn die Arbeit rechtzeitig beendet wird und in die mit wärmerem Licht ausgestatteten Wohnräume gewechselt wird. Es gibt für Büros auch bereits steuerbare Lichtfarben, um den natürlichen Lichtverlauf nachzubilden. Derzeit noch sehr teuer, wird es in wenigen Jahren zum Standard gehören.

Auch für saisonale Effekte wie das geringe Lichtniveau in den Wintermonaten können Tageslichtlampen eingesetzt werden. Es gibt therapeutische Tageslichtlampen mit einer Lichtfarbe von 6500 Kelvin, die ab einer Beleuchtungsstärke von ca. 2000 Lux wirken. Auch hier wirkt sich der anregende Effekt des Tageslichtspektrums auf die Hormonausschüttung aus und führt zu erhöhter Aktivität und verbessertem Wohlbefinden.

Licht und Alter

Die Augenlinsen werden mit zunehmendem Alter allgemein weniger lichtdurchlässig. Gleichzeitig wird zunehmend weniger blaues Licht durchgelassen. Allerdings beginnt der Effekt bereits mit etwa 30 Jahren, nicht erst im hohen Alter. Ältere Menschen benötigen daher mehr Licht als jüngere und vor allem kälteres Licht mit höherem Blauanteil.

Dazu kommt noch, dass sich im Alter allgemein das Scharfsehen verschlechtert. Auch hier wirkt eine höhere Helligkeit positiv, da dem Auge optimale Bedingungen zum Erkennen bereitgestellt werden. Es lohnt sich also, von Zeit zu Zeit zu überprüfen, ob die eigene Wohnung ausreichend und angenehm beleuchtet ist. Experimentieren Sie mit Lichtfarben im kälteren Farbbereich oder Leuchten mit veränderlicher Farbtemperatur für anspruchsvolle Aufgaben wie dem Lesen. Der Farbwiedergabeindex sollte immer in einem Bereich von mind. CRI 80 liegen, im Essbereich bei mind. CRI 90. Generell können Sie sich an den Angaben für Helligkeit und Farbwiedergabe bei den Lichtdesigns der einzelnen Räume orientieren. Die Werte stellen Mindest- und Richtwerte dar und sollten gerade im Alter etwas angehoben werden.

Ein mehr an Licht muss bei den energiesparenden Lösungen insbesondere mit LED-Licht nicht mit erhöhten Energiekosten einher gehen. Statt dessen gewinnen Sie an Wohlbefinden.